Der besondere „Kick“ unter Wasser
BRK- Taucher üben die Eisrettung auf dem Obinger See – Warnung vor brüchigem Eis

Eistauch-Übung für die BRK-Einsatztaucher am Obinger See: Trotz klirrender Kälte wagten sich die Wasserwachtler unter die dicke Eisfläche. Doch nicht überall im Landkreis sind die Eisflächen tragfähig. Deshalb warnt die Wasserwacht davor, Eisflächen auf Seen und Flüssen zu betreten. Erst ab einer Stärke von 15 Zentimetern sei ein Eis tragfähig, wobei nie mehrere Personen beieinander stehen sollten. Für einen Retter ist es wichtig, sofort den Notruf zu alarmieren und sich nur robbend dem Verunglückten im eingebrochenen Eis zu nähern. Als Hilfsmittel können Leitern, Rettungsringe oder lange Äste dienen, niemals aber die eigene Hand, um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen.



Die kleine Angelina steht auf Schlittschuhen neben einem Loch auf dem Obinger See und schaut wie gebannt auf die kleine Wasserfläche mitten im Eis. Plötzlich steigen Luftblasen auf, die immer mehr werden und kurz darauf erscheint die schwarze Gesichtsmaske eines Tauchers. Das Mädchen strahlt und winkt eifrig, als sie ihren Vater im Eiswasser erkennt, der sie durch seine Brille anlächelt. Mario Schachinger zählt zu den 12 Einsatztauchern des Traunsteiner Kreisverbandes des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Zusammen mit mehreren Wasserwachts-Kameraden nahm er an einer Eistauch-Übung am Obinger See teil.
Mit dabei ist auch Kurt Schäfer aus Ampfing, Ausbilder für Einsatztaucher bei der Traunsteiner Wasserwacht des Roten Kreuzes. „Für jeden von uns ist eine jährliche Übung in „Eisrettung“ und „unter Eis tauchen“ vorgeschrieben“, erläutert der Ampfinger, der sich als „alter Tauchhase“ bezeichnet - immerhin ist er seit mehr als 20 Jahren Einsatztaucher. „Wobei das Eistauchen eine stark psychische Sache ist“, erklärt er, „denn hier können wir nicht einfach auftauchen.“ Neben dem „normalen“ Tauchen komme das Nachttauchen und die „Krönung“ sei das Eistauchen. „Hier ist es absolut wichtig, sich auf das Team verlassen zu können.“
Dreier-Team im Einsatz
Bei jedem Einsatz – ob Übung oder Ernstfall – gibt es ein Dreier-Team: Neben dem Taucher, der ins Wasser geht, steht ein zweiter Sicherheitstaucher bereit, der im Ernstfall sofort dem in Not geratenen Tauchkameraden hilft. Wichtig ist der Leinenführer, der dem Einsatztaucher als Partner zur Seite steht. „Er ist das A und O für den Taucher“, erklärt Kurt Schäfer. Der Partner bleibt an Land, hilft dem Taucher beim Anlegen der umfangreichen Ausrüstung, kontrolliert alle technischen Funktionen und ist schließlich nur durch eine Leine mit dem Taucher verbunden. Mit verschiedenen Leinenzeichen kommunizieren die beiden miteinander. Mario Schachinger hatte bei seinem Eistauchen einen besonderen Service, denn er war mit seinem Leinenführer per Tauchtelefon verbunden, dessen Verbindung sich in der Leine zwischen Taucher und Partner befindet.
Probleme beim Eistauchen gibt es immer wieder mit dem Material, denn klirrende Kälte lässt immer wieder empfindliche Geräte vereisen, wie etwa die Ventile in der Preßluftflasche. „Deshalb ist jeder Eistaucher, sobald er aus dem Wasser kommt, nicht mehr einsatzfähig“, so Kurt Schäfer. „Erst wenn er seine Ausrüstung komplett gewechselt hat, darf er weitermachen.“
Zum Einsatz kommen die BRK-Eistaucher meist, wenn Freizeitsportler einbrechen. „Oft waren sie leichtsinnig und unvernünftig“, urteilt Kurt Schäfer. „Vielen fehlt das Gefühl für die Natur. Sie gehen einfach aufs Eis, obwohl sie den See gar nicht genau kennen.“ Deshalb würde die Wasserwacht niemals eine Eisfläche freigeben. „Auch jetzt, trotz der Kälte, kann ich nur eindringlich davor warnen, jedes Eis zu betreten!“ Vor allem im Bereich von Zuflüssen sei die Eisdecke oft nur sehr dünn.
Als Schäfer selbst aus dem Eiswasser klettert, strahlen seine Augen. „Beim Eistauchen ist viel Nervenkitzel dabei, weil du ja als Taucher nicht mehr raus kommst, wenn du das Loch nicht findest – das ist der besondere Kick unter Wasser!“
cs

